eBook Reader Blog

Neues aus der Welt der eBook Reader

Mit Zunehmender Verbreitung von eBook Readern hat sich im Web in den letzten Monaten eine anhaltende Diskussion über Sinn und Unsinn von eBook Readern entwickelt. Abgesehen davon, dass im Web über so ziemlich jeden Gegenstand ausufernd diskutiert wird, schlägt die eBook Reader Debatte jedoch zum Teil recht hohe Wellen. Wie kommt das? – Bei jeder neuen technischen Entwicklung stellt man sich natürlich die Frage nach dem Nutzen. Zum Konservativismus neigende Menschen sehen in neuen Technologien jedoch meistens überhaupt keinen Nutzen und lehnen sie pauschal ab. Wer aber sowieso kein grundsätzliches Interesse an neuen technischen Gerätschaften hat, informiert sich auch nicht tiefergehend darüber und baut daher seine Ablehnung schnell auf fehlenden oder falschen Informationen auf. Ein schönes Beispiel hierfür der Kommentar einer Leserin im Forum von Maedchen.de über eBook Reader (sinngemäß aus der Erinnerung wiedergeben, ich finde den original-Post leider nicht mehr) :

„Waaas ebook Reader? So ein Schwachsinn, jetzt wollen die auch noch Bücher abschaffen, dabei gibt es doch nichts schöneres als es sich Morgens mit einem schönem Buch im Bett gemütlich zu machen.“

Warum sollte man Bücher abschaffen? Solange Bücher gekauft werden, werden auch Bücher produziert, völlig unabhängig davon ob es zusätzlich auch noch eBooks und ebook reader gibt oder nicht.

Auch sehr witzig, dieses mal jedoch freiwillig komisch, das Interview mit dem Schriftsteller, Übersetzer und Schauspieler Harry Rowolt auf Zeit.de – unter anderem äußert er sich darin mit „leicht“ ironischem Unterton zum Thema eBooks und sagt, dass er Bücher albern findet, die man nicht in der Sonne oder am Strand lesen kann.

Prima, dass genau das mit den aktuellen eBook Readern dank E-Ink Technik möglich ist.

Ich würde darauf wetten, das weder Harry noch das Maedch.de-Mädchen jemals einen eBook Reader in der Hand gehalten haben. Und selbst wenn sie eines Tages mal einen in die Finger bekommen, werden sie sicherlich nicht in Begeisterung geraten, sondern stattdessen erstmal aufzählen was daran alles schlecht, nachteilig, ungesund oder unnütz ist.

Damit folgen sie einer langen Tradition von Technophobie, die mindestens so alt ist, wie der Erfindungsgeist der Menschheit. Hier ein paar Beispiele:

Handys? – nerven nur und erzeugen gesundheitsschädigende Strahlung

eMails? - man verlernt ja das handschriftliche Schreiben außerdem sind Briefe viel persönlicher und man kann sie in einer schön dekorierten Sammelmappe als persönliche Erinnerung aufbewahren,

CDs? – klingen unnatürlich brillant und das schöne gemütliche Knistern fehlt. Außerdem sind die Cover viel zu klein, Schallplattencover kann man sich dagegen auch als Bilder an die Wand hängen.

Eisenbahn? – kein Mensch kann eine Geschwingigkeit von 15 km/h ohne gesundheitliche Schäden überstehen.

Wahrscheinlich rief auch schon die Entdeckung des Feuers den gleichen Schlag von Kritikern auf den Plan:

Feuer? – Viel zu heiß, man kann sich sogar daran verbrennen, außerdem schmeckt’s roh immer noch am besten.

Ob es wirklich notwendig ist, sich mit solchen Argumenten in langatmigen Diskussionen auseinander zu setzen mag jeder für sich selbst einschätzen. Wer Interesse und Spaß an Technik hat, kann sich auch für neue Technologien begeistern, die nicht sofort eine technische Revolution auslösen und vielleicht sogar noch nicht einmal einen direkten praktischen Sinn haben, sondern einfach aufgrund ihrer Neuheit faszinierend sind. Neugierde ist dabei die entscheidende Motivation und nicht Alltagsprakmatismus. Waren die ersten Computer von praktischem Nutzen? Wohl kaum – dennoch haben sie auf einige Menschen große Faszination ausgeübt. Der praktische Nutzen und somit auch die gesellschaftliche Anerkennung kam erste viele Jahrzehnte später.

Um wieder auf eBook Reader zu sprechen zu kommen, möchte ich nach den oben zitierten Kontra-Argumenten noch einen interessanten Fürsprecher zu Wort kommen lassen, der genau wie Harry Rowohlt ein Mann der Bücher ist. Der Kunstkritiker und Medienwissenschaftler Stefan Heidenreich sprach sich im Mai 2009 in in der TAZ für eine „unendliche Bibliothek“ aus. Er kündigte darin an, seine persönliche Bibliothek, die er primär für seine Arbeit und nicht zur Zerstreuung nutzt, nach und nach komplett zu digitalisieren. Während er schon längst Texte nur noch digital per Computer verfasst, sind seine Bücher immer noch Papier-gebunden. Dabei erleichtert es die wissenschaftliche Arbeit viel mehr, wenn Texte in digitaler Form erhalten bleiben.

„Da Schreiben eine Form des Denkens ist, fallen Lesen und Schreiben zusammen. Es wird nun höchste Zeit, die gelesenen Texte im selben Format verfügbar zu haben wie die geschriebenen.“

Warum druckt man wissenschaftliche Arbeiten auf Papier und versteckt diese dann in Bibliotheken wo sie nur von ortsansässigen Interessenten unter physischem Aufwand gefunden werden können? Umberto Ecco reist grundsätzlich mit seiner Bibliothek umher. Sie besteht aus 250 GB an digitalen Texten. Nicht zuletzt hat das Verfassen eines Buchs auch eine statusfördernde Wirkung. Sein eigenes Buch im Schrank stehen zu haben ist nun mal beeindruckender als ein ein selbst verfasstes eBook auf der Festplatte zu haben. Doch ist Statusförderung alleine wohl kaum der Sinn wissenschaftlicher Arbeit. „Letztlich geht es nicht darum Bücher zu schreiben, sondern Gedanken mitzuteilen.“

Mit Samsung wagt sich ein neue BigPlayer auf den eBook Reader Markt vor. „Papyrus“ so der Name des neuen eBook Readers des sükoreansischen Herstellers. Das Gerät ist mit einem vergleichsweise kleinem, 5-Zoll Display ausgestattet, das über eine Touchscreen Bedienung verfügt. Mit einer Auflösung von 600 x 800 Pixeln können acht Graustufen dargestellt werden. Als Betriebssystem setzt Samsung auf ein eigens angepasstes Linux mit 2.6er-Kernel. Das Gerät besitzt keine Internetanbindung, dafür aber eine USB-Schnittstelle, mit der u.a. PDF, TXT und Word-Dokumente übertragen werden können. Der eBook Reader soll zunächst in Südkorea erscheinen, wo er für umgerechnet 200 Euro zu haben ist. Ob und wann der Papyrus auch in Europa erhältlich ist, lässt Samsung derzeit noch offen.

Viele eBook Reader Fans schaudern derzeit noch von den zum Teil horenden Preisen, die man für eBook Reader bezahlen muss. Man kann es ihnen nicht verdenken: 300 Euro und mehr für einen eBook Reader auszugeben ist gewiss nicht jedermanns Sache. Sony unternimmt daher zweifellos einen Schirtt in die richtige Richtung und senkt den Preis für den PRS 505 dauerhaft auf 249,- Euro. Wer darüber hinaus bis zum 31.07.09 zugreift erhält nicht nur 2 kostenlose eBooks sondern auch noch einen Reisegutschein im Wert von 100 Euro.

Nachdem die europäischen Telekommunikationsunternehmen Amazon’s eBook Reader Kindle erst kürzlich abblitzen ließen, zaubert Vodafone plötzlich seinen eigenen eBook Reader aus dem Hut. Noch im Herbst diesen Jahres soll der Vodafone eBook Reader in Deutschland erscheinen. Vodafone füllt damit jene Lücke, die Amazon mit seinem zunächst lang und breit angekündigten eBook Reader hinterlassen hat. Vertrag Handy dabei setzt das Unternehmen auf enge Kooperation mit den Zeitungs- und Magazinverlegern die im Angesicht des schrumpfenden Marktes für Printmedien wohl jede sich neu auftuende Vertriebsmöglichkeit dankbar entgegen nehmen sollten. Vodafone möchte dabei vor allem an der Web-Übertragung der Inhalte verdienen.

Kein Kindle in Europa

Juni 30th, 2009

Nach dem Medienhype der letzten Monate hätte Amazons ebook Reader Kindle ein echter Verkaufsschlager werden können. Wie Amazon nun jedoch überraschend verkündet, wird daraus leider nichts. Amazons Kindle wird vorerst nicht in Europa eingeführt. Der Grund: Die europäischen Mobilfunkanbieter sind zu teuer um eine Kindle-Flatrate umzusetzen, mit der sich User jederzeit kostenfrei ins Web einwählen können um neue eBooks zu beziehen. Das ist schade, denn gerade dieses Konzept macht einen eBook Reader erst wirklich mobil. Bedauerlich ist dies vor allem auch für die Krisen-gebeutelten Zeitungsverlage. Die Auflagen der Zeitungen sinken seit geraumer Zeit ständig, da die Leser zuzunehmend ins Internet abwandern, wo Zeitungsartikel kostenfrei angeboten werden. Amazons eBook Reader mit seinem mobilen Internet Anschluss hätte hier eine neue Zielgruppe erschließen können. Natürlich kann man auch auf Sonys PRS eBook Readern Zeitungen und Magazine lesen, doch die Zahl der User, die bereit sind dich jeden morgen per USB an einen Rechnner anzudocken um ihre Infos manuell auf den eBook Reader zu laden dürfte weitaus geringer sein. Neben Bracnhenriese Sony und seiner PRS-eBook Reader Reihe wird durch Amazons Rückzieher daher wohl ein weiteres Modell stärker ins Blickfeld rücken: Der eBook Reader Txtr des Berliner Herstellers Wizpac. Das Gerät soll sich per UMTS/GPRS Anschluss mobil mit der Platform txtr.com verbinden können, auf der ein umfangreiches Angebot deutschsprachiger eBooks erhältlich ist. Die Markteinführung ist für das dritte Quartal 2009 geplant. Man darf gespannt sein, ob Wizpac bei seinen Verhandlungen mit den Mobilfunkbetreibern erfolgreicher ist als Amazon.

Herkömmliche Bücher sind zu schwer und zu teuer – so der ehemalige Bodybuilder, Terminator und aktueller Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzenegger. Während aus Bodybuilder-Sicht das Tragen schwerer Schulbücher im Hinblick auf den Muskulaturaufbau der Schülerschaft durchaus zu befürworten ist, blickt Schwarzenegger in seiner Funktion als Gouverneur dann doch eher auf maroden Kassen des kalifornischen-Staatshaushalts. Das verleitet ihn dazu, den Aspekt der hohen Herstellungskosten von Schulbüchern um einiges stärker zu gewichten als ihre vermeintliche sportliche Nebenwirkung. Daher sollen Schulbücher in Kalifornien demnächst durch eBooks und eBook Reader ersetzt werden. Schon mit Beginn des nächsten Schuljahres soll es los gehen. Schwarzenegger verspricht sich dadurch Einsparungen im Staatshaushalt von bis zu 400 Millionen Dollar pro Jahr. Zusätzlich sollen die Schul-eBook Reader noch mit einer interaktiven Lernsoftware ausgestattet werden, die Unterichtsstoff vermittelt und abfragt. Den Vorschlag weitere Kosten zu sparen, indem Lehrer durch Roboter ersetzt werden, hat Schwarzenegger, wohl aufgrund persönlicher schlechter Erfahrungen was die Beziehung zwischen Robotern und der Menschheit angeht, nicht gemacht.

Google und eBooks

Juni 4th, 2009

Die kürzlich gestartete Google Buchsuche bietet bereits jetzt Usern die Möglichkeit in über 500.000 rechtefreien eBooks zu stöbern und sie teilweise auch herunterzuladen. Das Herz eines eBook Reader Fans schlägt dabei natürlich gleich höher. Weniger begeistert dürften dagegen kommerzielle eBook Anbieter, allen voran Branchenriese Amazon, über den neuesten geplanten Vorstoß des Suchmaschinengiganten sein. Google kündigte nämlich an demnächst auch eBooks zu verkaufen. Man kann sich ausrechnen das dies sofort in größeren Dimensionen stattfinden wird. Bis zu 200 Millionen Dollar Einnahmen erhofft sich Google in den nächsten 5 Jahren mit dem Verkauf von eBooks zu erwirtschaften. Das könnte sogar Amazon das fürchten lehren.

The Next Generation

Mai 24th, 2009

So faszinierend und neuartig elektronische Tinte auch sein mag, es fällt einem nicht schwer sich vorzustellen welche Verbesserungsmöglichkeiten es hier noch geben könnte. Die lediglich monochrome-Graustufen Anzeige und der vergleichsweise endlos lange Seitenaufbau erinnern einen doch sehr an die Anfangszeiten der Personal Computer, als die Bildschirme noch grün waren und die Ladelämpchen der Floppydisks noch flackerten. e-ink steckt also noch in den Kinderschuhen, doch bei einigen Neuentwicklungen und Forschungsprojekten zeichnet sich bereits ab, wie die nächste Generation eBook Reader aussehen wird.

Die japanische Firma Fujitsu kündigte im März 2009 einen eBook Reader mit Farbdisplay an. Das „e-paper mobile terminal“ – kurz Flepia kann bis zu 260.000 Farben darstellen. Leider geht das auf kosten der Seitenaufbau-Dauer. Ein vollständiger Seitenaufbau in voller Farbenpracht kann bis zu 8 Sekunden in Anspruch nehmen.

Einen viel versprechenden Ansatz liefert ein Forschungsteam von der University of Toronto. Sie entwickelten photonische Kristalle, die ihre Farbe sehr schnell wechseln können. Je nach Art der Spannung, die angelegt wird, können diese Kristalle jede Farbe des Lichspektrums zurückwerfen.Ein Farbwechsel soll dabei weniger als eine zehntel Sekunde in Anspruch nehmen. Damit wären sie doppelt so schnell wie e-Ink Displays. Die Firma Opalux hat sich bereits die Rechte an dem Patent gesichert um in den nächsten Jahren eine Anwendung auf den Markt zu bringen.

Das fehlende haptische Erlebnis wird bei eBook Skeptikern gerne als eines der Hauptkritikpunkte gegenüber eBook Readern genannt. Die Firma Plastic Logic wirkt dem ein Stück entgegen, in dem sie einen eBook Reader plant, der nicht nur hauchdünn wie Papier sein soll sondern auch noch biegsam ist. Die Markteinführung des Plastic Logic Reader ist für 2010 geplant.

Links:
http://www.plasticlogic.com/
http://de.ts.fujitsu.com/
http://www.opalux.com/

Spaßvögel

Mai 21st, 2009

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf den zukünftigen Kindle DX Nachfolger.

Man kann ein ganzes Buch lesen ohne einmal umzublättern und sogar darin wohnen ;-) )))

Die Firma Adasys kündigt einen neuen eBook Reader an. Der Flatreader ist natürlich mit e-Ink Technik ausgestattet, der 6“ Bildschirm erreicht eine Auflösung von 800 x 600 Pixel bei 170 dpi und kann 4 Graustufen darstellen. Unterstützt werden die eBook Formate Mobipocket und Fictionwise sowie txt, pdf und html. Ungewöhnlich ist vor allem das extrem geringe Gewicht: gerade mal 170g soll der eBook Reader auf die Waage bringen. Eine Internetanbindung ist nicht vorgesehen. Insofern ist der Flatreader dem ersten Eindruck nach vergleichbar mit offline-ebook Readern wie dem Sony PRS 505 oder dem BeBook von Bookeen. Weitere Infos unter www.flatreader.de.